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Wer wird neuer Chef im Landkreis?

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Das historisch dreigeteilte Berchtesgadener Land – hier gekonnt landschaftlich in Szene gesetzt mit den sanften Hügeln des Rupertiwinkels im Norden, der Kulisse von Untersberg und Lattengebirge in der Mitte sowie mit dem imposanten Watzmann als Wahrzeichen des Südens – bekommt einen neuen Verwaltungschef. Er muss verbinden können. −Foto: Fürmann/roha-fotothek

Nach drei Amtsperioden und 18 Jahren wird Georg Grabner von der Spitze des Landkreises abtreten. Um die Nachfolge des 68-jährigen Landrats aus Teisendorf bewerben sich fünf Männer aus allen Teilen des Berchtesgadener Landes. Diese Anzahl macht eine Stichwahl wahrscheinlich, auch wenn die Behörde seit der Gebietsreform 1972 fest in CSU-Hand war. Mit Bernhard Kern geht ein waschechter Rupertiwinkler für die CSU ins Rennen. Geboren im Dezember 1968 im Krankenhaus Freilassing verbringt er seine ersten Lebensjahre in Ainring. Anschließend wächst er in Saaldorf auf, wo er aktuell amtierender Bürgermeister ist und mit Ehefrau Andrea und Sohn Virgil lebt. "Ich will Impulsgeber für neue Entwicklungen sein, aber auch Visionär für unsere Region und als neuer Landrat mein umfassendes Netzwerk und angeeignetes Wissen in den Dienst des Berchtesgadener Lands und seiner Bürgerinnen und Bürger stellen", erklärt Kern seine Motivation für die Kandidatur. Eines der drei wichtigsten Themen, die er im Fall eines Wahlsieges sofort anpacken will, ist die Schaffung eines Verkehrsverbunds mit dem Landkreis Traunstein und dem Land Salzburg. Den Bereich Familie, Kinder und Wohnen nennt er als zweites Thema. Zum dritten Hauptthema "Bildung und Wirtschaft" betont der Bautechniker seine "ganz klare positive Haltung zum landkreiseigenen Wirtschaftsservice BGLW". Dr. Bartl Wimmer gehört angesichts des aktuellen Höhenflugs der Grünen zu einem stark einzuschätzenden Bewerber. Der 59-jährige Arzt hat ein Unternehmen mit inzwischen 20000 Beschäftigten weltweit aufgebaut, sich gleichzeitig seit 1984 im Bischofswieser Gemeinderat und seit 1990 im Kreistag ehrenamtlich in der Kommunalpolitik engagiert. Der verheiratete vierfache Familienvater hat sechs Enkelkinder und lebt heute in Berchtesgaden. Was treibt ihn zur Kandidatur? "Unser Landkreis ist einer der schönsten Flecken auf dieser Erde. Als einer, der viel in der Welt herumgekommen ist, glaube ich, das bewerten zu können. Allerdings stehen wir in den nächsten Jahren vor gewaltigen Aufgaben: Energiewende, Mobilität und bezahlbarer Wohnraum sind wichtige Themen." Das Landratsamt als Dienstleistungszentrum für die Bürger will er besser machen. Den grenzüberschreitenden Verkehrsverbund mit der Region Salzburg realisieren, dabei die Infrastruktur für den ÖPNV ausbauen, Tickets vergünstigt anbieten sowie Angebote für Carsharing schaffen. Dazu preiswerten Wohnraum für alle Menschen schaffen und trotzdem den Flächenverbrauch reduzieren. Mit Michael Koller greift ein zweiter Bewerber aus Süden nach dem Chefsessel im Landratsamt. Mit 44 Jahren ist der Freie Wähler, der zu 50 Prozent als Fachlehrer in Freilassing und zu 50 Prozent als Verwaltungsleiter im Pfarrverband Stiftsland Berchtesgaden arbeitet, der jüngste des Quintetts. "Gerade in einer globalisierten Welt und angesichts ständig anwachsender Mobilität ist Heimat für viele Menschen wieder wichtiger. Heimat verhindert Entfremdung und schafft Identität. Ich möchte meine kommunalpolitische Erfahrung künftig noch stärker einbringen und mich so für eine echte Chancengleichheit aller engagieren", beschreibt der Berchtesgadener seine Triebfeder für die Kandidatur. Seinen Themen setzt der gelernte Schreiner Grundsätzliches voran: "Zuhören, nachdenken und transparent entscheiden." Mit der Stärkung des Miteinanders aller Generationen will er seine Themen umsetzen, angefangen von der Bildung, über die Landwirtschaft bis zur digitalen Zukunft. Das Abmildern des Facharbeitermangels und eine optimal ausgestattete Krankenversorgung mit einer funktionierenden Notfallversorgung sind für Koller wichtige, anstehende Aufgaben. Seit mehr als 25 Jahren engagiert sich Roman Niederberger ehrenamtlich nicht nur in der Politik, sondern auch in Sozialverbänden wie der Arbeiterwohlfahrt und der Kinderkrebshilfe. Mit der mittleren Reife, einer Ausbildung am Finanzamt Berchtesgaden und später einem FOS-Abschluss in Traunstein arbeitet sich der 48-Jährige bis zum Oberregierungsrat hoch. Nun will der Kandidat der SPD aus der Mitte des Landkreises – 1972 in Bad Reichenhall geboren, lebt er heute in Piding – "in den nächsten sechs Jahren aktiv die großen Herausforderungen unserer Zeit anpacken: Digitalisierung, Klimaschutz und den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft". "Ich werde als Landrat mit Investitionen in unser Wohnbauwerk, einer Stärkung der heimischen kommunalen Wohnbauunternehmen und Genossenschaften und einer modernen Bodenpolitik anpacken, damit es genügend gute und bezahlbare Wohnungen für alle gibt", verspricht Niederberger. Besseren ÖPNV zu schaffen, auch wegen des Klimawandels, ist für den überzeugten ÖPNV-Nutzer selbstverständlich. Auch Wolfgang Koch, der für die AfD antritt, stammt aus dem zum Rupertiwinkel gehörenden, mittleren Teil des Berchtesgadener Landes. 1963 in Bad Reichenhall geboren, aufgewachsen in Anger und einem Vorort von München, wohnt er heute wieder in Anger. "Hinterzimmerpolitik in Kreis- und Kommunalpolitik abschaffen und Bürger und Generationen in die Politik aktiv einbinden", nennt der ehemalige Wahlkampfleiter eines inzwischen aus der AfD ausgetretenen Landtagsabgeordneten als Motivation für seine Kandidatur. Die Förderung von kleinbäuerlichen Strukturen, die Rückkehr zur bayerischen Kultur und der bayerischen Sicherheitspolitik sowie die Stärkung des Berchtesgadener Landes gegenüber Salzburg, München und den Nachbarlandkreisen sind seine wichtigsten Themen, die er im Fall des Einzugs in den Kreistag jedoch nicht mit den eigenen Spitzenkandidaten beackern will. Mit Nummer 1 und 3 auf der AfD-Liste ist der auf Platz 2 gesetzte Landratskandidat verfeindet. − ze

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