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Kleiner Landkreis vor großen Aufgaben

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Die Predigtstuhlbahn steht als Symbol für den Landkreis: Die älteste Kabinenseilbahn der Welt verbindet Tradition mit dem Aufbruch in die Moderne.  − Foto: Max Oberwegner

So richtig spannend dürfte das Rennen um den Chefsessel im Bad Reichenhaller Landratsamt werden. Könnte man jedenfalls in Anbetracht der Zahl der Bewerber meinen: Vier Kandidaten treten an. Bei nüchterner Betrachtung steht allerdings fest, dass der amtierende Landrat Georg Grabner aller Voraussicht nach zum dritten und letzten Mal in sein Amt gewählt werden dürfte. Eine weitere Kandidatur Grabners in sechs Jahren verhindert dann das Erreichen der Altersgrenze.

Herausgefordert wird der Landrat von drei Kandidaten: Von seinem Stellvertreter Helmut Fürle (SPD) aus Freilassing, von Dr. Bartl Wimmer (Bündnis 90/Die Grünen) aus Berchtesgaden und vom Republikaner Tilo Schöne aus Bad Reichenhall. Sämtliche Kandidaten gehören seit mehreren Wahlperioden dem Kreistag an. Auch darüber hinaus gibt es einige Besonderheiten: Tilo Schöne hat im letzten Jahr für seine Partei sowohl für den Landtag als auch für den Bundestag kandidiert, mit bescheidenem Erfolg, aber unverdrossen, wie seine jetzige Kandidatur beweist.

Für den Landtag kandidiert hat auch Grabners Herausforderer Dr. Bartl Wimmer, seine Kandidatur litt aber erheblich unter dem großen Einbruch der Grünen im Herbst. Die Gegnerschaft zwischen Wimmer und Grabner, die einander persönlich zwar achten, sich aber bei jeder Gelegenheit im Kreistag ebenso gepflegte wie kurzweilige Debatten auf Augenhöhe liefern, hat Tradition: Schon vor 18 Jahren, als der damalige Landtagsabgeordnete Georg Grabner erstmals ins Amt des Landrats gewählt wurde, war Bartl Wimmer einer seiner Gegenkandidaten.

Die vergangene Wahlperiode war von einigen schweren Auseinandersetzungen im Kreistag geprägt. Streitthemen waren die Sanierung der Kunsteisbahn am Königssee und die Bewerbung um Olympische Winterspiele. Beide Male übten die Grünen radikale Kritik an der Mehrheitslinie. Was ihre erbitterte Gegnerschaft einer neuerlichen Bewerbung des Landkreises für Olympische Winterspiele betrifft, feierten sie beim Bürgerentscheid im Herbst einen Triumph. Dass die Sportler des Berchtesgadener Lands bei den diesjährigen Spielen in Sotschi vier Goldmedaillen gewannen und der Landkreis damit der erfolgreichste weltweit war, ist ein anderes Thema.

Zentrales Zukunftsthema im Landkreis Berchtesgadener Land dürfte die strukturelle und finanzielle Sanierung der angeschlagenen Kliniken-AG sein. Aktionäre sind der Landkreis Traunstein und das Berchtesgadener Land. Die sechs Kliniken der AG schreiben jährlich Millionendefizite, die von den beiden Landkreisen ausgeglichen werden müssen. Über kurz oder lang dürfte dies auf die Höhe der Kreisumlage durchschlagen und den finanziellen Handlungsspielraum der Kommunen deutlich beschränken.

Wichtige Themen sind außerdem die Stärkung des Bildungsangebots im Landkreis, die Förderung des Tourismus, der Ausbau der Infrastruktur und die Energiewende. Gerade bei letztem Punkt ist der Landkreis bereits auf einem guten Weg. Streitthemen könnten hierbei aber die Nutzung der Wasserkraft, der Bau von Windkraftanlagen und der Bau eines Pumpspeicherkraftwerks auf dem Poschberg bei Bad Reichenhall werden. Ein wichtiges Thema, das die Lokalpolitik bisher noch kaum oder gar nicht im Visier hat, ist der vorbeugende Hochwasserschutz an der Saalach einschließlich des Aufbaus eines wirksamen Alarmsystems. Dass die Situation an diesem Fluss unbefriedigend und zuweilen sogar gefährlich für die Anwohner ist, hat das Hochwasser am 2. Juni 2013 gezeigt.

Große finanzielle Sprünge kann der Landkreis, der seit Jahrzehnten einer der wirtschaftsschwächsten in Bayern ist, indes nicht machen. Die Möglichkeiten für Investitionen werden sich auch in der nächsten Wahlperiode in engen Grenzen halten.  − rgz

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Dr. Bartl Wimmer will für die Grünen Landrat werden.

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Helmut Fürle ist der Kandidat der SPD.

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Der amtierende Landrat Georg Grabner (CSU) tritt wieder an.

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Tilo Schöne kandidiert für die Republikaner.

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