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Kommunalwahl: Nur jeder fünfte Kandidat ist eine Frau

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Die Frauenquote bei den Kandidaten farblich dargestellt. In den grün gefärbten Orten liegt der Frauenanteil unter den Kandidaten über 20 Prozent. Die interaktive Karte finden Sie unter www.wahl.info.

von Roland Mitterbauer
"Wir hätten gerne eine Frau auf der Liste gehabt", beteuert Martin Demmelhuber, der Erstplatzierte auf einer reinen Männerliste im Rottal. Die Spitzenkandidatin einer reinen Frauenliste bestätigt: "Es ist schwierig, Frauen für die Kommunalwahlen zu finden." Rund 17000 Personen stehen bei den Kommunalwahlen in Südostbayern am kommenden Sonntag auf den Kandidatenlisten. Nur knapp 3500 davon sind weiblich. (Interaktive Karte am Seitenende.)

Die Frauenquote bei den Landratswahlen ist noch deutlich niedriger: In acht Landkreisen in der Region stehen 24 Kandidaten zur Wahl, nur zwei davon sind weiblich – und diese Frauen kandidieren beide im Landkreis Passau. In den restlichen sieben Landkreisen gibt es also keine Kandidatin für den Posten des Landrats. Bei den Bürgermeister-Wahlen sind immerhin 41 von 385 Kandidaten weiblich, also gut zehn Prozent.

Eine Kandidatin für die Bürgermeister-Wahl ist Sabine Stöger-Kopp. Sie kandidiert in Rimbach (Lkr. Rottal-Inn) gegen Otto Fisch jun. von der CSU. In der Gemeinde gibt es nur 879 Einwohnern und heuer kandidieren erstmals seit 30 Jahren zwei Personen für das Bürgermeisteramt, weil der Amtsinhaber mit 73-Jahren in den kommunalpolitischen Ruhestand geht. Diese Wahl ist aber auch deshalb spannend, weil in dem Ort eine reine Frauenliste gegen eine reine Männerliste für den Gemeinderat antritt. Die Frauenquote liegt hier mit 50 Prozent an der Spitze in der Region.

Sabine Stöger-Kopp kann die niedrige Frauenquote in der Region nachvollziehen. Sie hat vor zwölf Jahren die Liste "Frauen für unsere Gemeinde" ins Leben gerufen und ist Mitglied im Verein der Frauenlisten Bayern, aber auch für sie sei es jedes Mal schwierig, die 16 Frauen für die Liste zu finden. "Junge Frauen haben ganz wenig Interesse an der Kandidatur", ist ihre Erfahrung. Die Frauen hielten sich lieber aus der Politik raus. Stöger-Kopp findet das schade, weil Frauen den Gemeinderat mit einem anderen Blickwinkel und anderen Lebenserfahrungen bereichern könnten.

Frauen werden seltener gewählt als Männer"Frauen treten bei uns nicht an, weil die Frauenliste da ist", erklärt Otto Fisch jun., der Gegenkandidat von Stöger-Kopp bei der Bürgermeisterwahl. Die Trennung habe sich so ergeben. Erfreulich für die Männerliste ist: Bei den Wahlen 2002 und 2008 war die Konstellation der Listen ähnlich und damals haben es jeweils nur zwei Frauen in den Gemeinderat Rimbach geschafft, aber acht Männer. Die Kommunalwahlen sind also keine Geschlechterwahl und die Wählerinnen wählen nicht unbedingt Kandidatinnen in den Gemeinderat.

Bei den Wahlen in den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass von den wenigen Kandidatinnen noch weniger gewählt werden. Das Bayerische Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung führt darüber Aufzeichnungen. Es gibt 31626 Gemeinderäte in Bayern, darunter sind nur 5661 (17,9 Prozent) Frauen. Die Quote steigt bei den gewählten Kreisräten auf 23,3 Prozent und bei den Stadträten auf immerhin 32,2 Prozent in Bayern. Bei den Spitzenposten gehen die Frauen aber meist leer aus: Von 71 Landräten in Bayern sind nur zwei weiblich (2,8 Prozent), von 1101 hauptamtlichen Bürgermeistern sind laut Statistik nur 65 Frauen (5,9 Prozent).

Unter dem Durchschnitt liegt die Frauenquote in den Landkreisen Deggendorf, Freyung-Grafenau, Regen und Rottal. In Freyung-Grafenau liegt die Frauenquote bei der Kommunalwahl mit etwa 17 Prozent am niedrigsten. Über dem Durchschnitt befindet sich die Frauenquote heuer in den Landkreisen Altötting, Dingolfing-Landau, Stadt- und Landkreis Passau sowie Traunstein.

Trotz der aktuell niedrigen Frauenquoten bei den Kandidaten und Amtsinhabern zeichnet sich laut Bayerischem Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung ein Trend ab: "Die Bedeutung der Frauen in der Politik hat gegenüber früher erheblich zugenommen und wird in Zukunft mit Sicherheit noch weiter steigen."

Die interaktive Karte


Legende: rot: Frauenanteil < 5 Prozent, orange: Frauenanteil < 10 Prozent, gelb: Frauenanteil < 20 Prozent, hellgrün: Frauenanteil < 40 Prozent, dunkelgrün: Frauenanteil < 50 Prozent. Mehr Infos bei Klick auf die Orte.

Die Karte in neuem Fenster öffnen.

Mitarbeit bei der Datenauswertung und -Visualisierung: Katharina Eckert, Eva Fischl, Michael Krause. Die interaktive Grafik mit den Informationen und Zahlen zum Frauenanteil in den jeweiligen Gemeinden finden Sie auf www.wahl.info

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